Als ein riesiger Strauß roter Rosen in das Arbeitszimmer von Frau Dr. Dose, geborene Spalte, getragen wurde, stockte ihr der Atem. Ein kleines Tränchen verließ ihr rechtes Auge und blieb in den Krähenfüßen hängen. Sie freute sich, fühlte sich aber auch alt und hässlich. Sie hatte seit längerem das Gefühl, das Arnfried mit seiner Salami auch andersweitig Einsätze fuhr. Dann merkte sie plötzlich irritiert auf, als sich der Strauß leicht zu bewegen schien. Ihr entfuhr ein kurzer spitzer Schrei, als plötzlich ein südamerikanisch aussehender Zwergwüchsiger aus dem 500 englische Riesenrosen umfassenden Strauß herauskrabbelte und ihr auf portugiesisch (ihrer Lieblingssprache, die sie neben 12 weiteren Sprachen fließend beherrschte) den Inhalt der Karte vorsang, die Dr Dose beigelegt hatte.
Als der kleine Indianer fertig war und ihr etwas schwummerig wurde durch die geilen Zeilen von Arnfried, gab sie ihm eine Handvoll Bonbons und schickte ihn fort.
Ein Schluchzen erfasste ihren grazilen Körper und schüttelte sie. Sie hatte Arnfried verdächtigt und er schickte ihr Rosen und laszive Nachrichten. Was war sie doch für eine erbärmliche Ehefrau. Wie sie Arnfried liebte, ihren stolzen Gatten, ihren adretten Liebhaber und Freund, Weggefährten und Seelenverwandten in einem. Wenn es in dieser Beziehung nicht so gut lief, wie sie es sich wünschte, dann musste es ihre Schuld sein. Sie war zwar eine unglaublich intelligente, sozial engagierte und politisch aktive Frau, liebende Mutter und ehrgeizige, aber dennoch kollegiale und zu allen freundliche Akademikerin, doch sie war eine lausige Ehefrau und sie hasste sich dafür. Wie konnte sie den armen, hart schuftenden Arnfried nur mit solchen abstoßenden, unterstellenden Phantasien in Verbindung bringen. Er machte zahllose Überstunden, auch am Wochenende, nur um seine Familie zu versorgen. Voller Selbsthass kramte sie in Windeseile die kleine braune etruskische Tonscherbe aus ihrer Schreibtischschublade hervor und begann sich hastig damit in den Arm zu schnibbeln…
Im Treppenhaus stieß währenddessen Doktor Dose gedankenverloren mit der Putzfrau zusammen, die von ihm und der darüberliegenden zahnärztlichen Praxis bezahlt wurde. Dabei ging seine Aktentasche auf und die Bilder mit Yolandas massiven Megamöpsen sowie die Aufnahmen der saftigen, gädekeschen Lustfeige fielen zu Boden. Sie guckte ihn erstaunt und fragend an. Dose wurde fürchterlich sauer über die Schusseligkeit dieser russischen Latrinenhexe und gab ihr eine deftige Ohrfeige. Anschließend schubste er sie gegen das Geländer und rang sie zu Boden. Dann setzte er sich so auf ihren Oberkörper, dass seine Beine den Bewegungsradius ihrer kräftigen, acker-erprobten Bauernarme behinderten und fing an, ihr mit seinen Knöcheln über die Kopfhaut zu reiben. Er fühlte sich wie damals in der vierten Klasse, als er mit seinen Freunden immer Jagd auf Erstklässler gemacht hatte und er dann, wenn alle anderen schon von den am Boden liegenden, wimmernden Knirpsen abgelassen hatten, sie noch minutenlang weiter mit dieser schmerzhaften Methode malträtiert hatte, bis eine Lehrkraft kam und ihn von den kleineren Jungs herunterzog.
Die alte Putze plärrte autistisch ihren Klagesang russischer Kinderlieder, da sie sich nicht traute, dem Doktor Gegenwehr zu leisten und sie mit dieser Methode schon damals beim Beerensammeln in der sibirischen Tundra erfolgreich dem Kältetod von der Schippe gesprungen war. Als Dose von ihr abgelassen hatte und sich, nun wieder stehend, den Saum seiner karierten Golfhose zurechtzurrte, glaubte sie ihre Agonie überstanden und ließ ihr schmerzverzerrtes Gebell verstummen. Doch Dose hatte noch nicht genug. Er trat der armen Frau mehrfach kräftig in die Nierengegend, dann beugte er sich zu ihr hinab und bedachte sie mit einem ordentlicher Spritzer aus seiner Pfeffersprayflasche.
Der markerschütternde Aufschrei der Alten ließ ihn schlagartig wieder Besinnung annehmen. Sein Gewaltrausch endete abrupt. Er half der Alten hoch und bot ihr (versehentlich) sein frisch mit Samen besudeltes Taschentuch an, mit dem sie sich kräftig die Augen auswischte.